„Ich liebte sie wie Frauen, obwohl ich schlimme Dinge mit ihnen tat.“ Was mit den zwei Mädchen geschah, die drei Jahre lang vom Entführer im Keller festgehalten wurden.

Wiktor Wassiljewitsch Mochow, ein einfacher Arbeiter aus Rjasan, sah in den Augen seiner Mitmenschen ganz sicher niemals wie ein Monster aus. Doch hinter der anständigen Fassade des fröhlichen Trunkenbolds konnte Wiktor seine wilde Natur verbergen. Und seine persönliche Unterwelt, die er unter seiner eigenen Garage in einem gewöhnlichen Schlafviertel der Stadt eingerichtet hatte. Ein mächtiges, sicheres Gefängnis aus Beton und Eisen, durch dessen Dicke nicht einmal der lauteste Frauen-Schrei dringen konnte… Wie in Dantes Gedicht klang hier: „Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr hier eintretet…“.

Doch wen hatte Mochow hierher gebracht, wessen Träume und Sehnsüchte, wessen Leben er so brutal zerstören wollte? In die Hände des Entführers fielen zwei junge Mädchen, die an einem warmen Septemberabend von der Disko zurückkehrten: ganz gewöhnliche Freundinnen Katja Martynowa und Lena Samochina.

Die müden Feiermädchen versuchten einfach, an einer stillen, menschenleeren Abendstraße mitzunehmen. Und sie fingen sich ihr Unglück ein: ein Auto, mit dem Mochow selbst auf „Jagd“ gegangen war. Und seine Komplizin Jelena Badukina.

Sie war es, die die Aufmerksamkeit der Mädchen betäubte: wenn eine Frau in der Nähe ist, passiert nichts Schlimmes. Und genau sie gab den Freundinnen Alkohol mit Beruhigungsmitteln, woraufhin ihre Welt in Milliarden von Fragmenten zerbrach, die sich in eine kalte Gruft unterirdischen Kerkers verwandelten.

„Ich und Lenka verbrachten ganze vier lange Jahre in diesem Gefängnis“, erinnerte sich Katja Jahre später. „Wir wussten nicht, ob wir in einem Tag, einer Stunde oder sogar einer Minute noch leben würden. Wir waren in einem Keller in sechs Meter Tiefe, wo jede nur ein altes Eisenbett, einen Eimer Wasser, eine Schüssel und eine stählerne Tür hatte, die uns die Sonne vorenthielt.“

In der Gefangenschaft wurde Jelena zweimal Mutter – von ihrem quälenden Entführer. Zwei Jungen, Oleg und Wladislaw, wurden geboren – geholfen von einer Freundin und einem abgenutzten Geburtshelfer-Lehrbuch, das Mochow irgendwoher mitgebracht hatte. Die ersten Wiegen der Babys waren alte Koffer, die Windeln Verbände, in Wodka getränkt. Doch Mochow ließ die Kinder nicht lange bei der Mutter: er nahm die Babys weg und setzte sie vor fremde Türen.

„Ich liebte sie wie meine Frauen. Sie waren meine Frauen, wenn auch unfreiwillig. Obwohl ich verschiedene schlimme Dinge mit ihnen tat“, gestand Mochow später.

Doch Katja konnte die Mieterin Tanja rechtzeitig von einem fatalen Trunk abhalten und übergab ihr heimlich einen Zettel:

Viktor ist kein Onkel für uns. Er ist ein Entführer. Er hält uns seit 4 Jahren im Keller. Er will dasselbe mit dir machen. Ruf die Polizei.

Tanja war nicht dumm und wandte sich an die Behörden. Zumal sie bemerkte:

Mit diesen Nichten und ihrem „Onkel“ stimmt etwas nicht. Sie sehen erschöpft und verängstigt aus…

Es stellte sich heraus, dass die russische Polizei die Mädchen schon lange suchte. Die Ermittler dachten aber, dass die Schönheiten von Menschenhändlern ins Ausland gebracht wurden. Interpol setzte Lena und Katja sogar international auf die Fahndungsliste.

Der verhaftete Mochow gestand schnell alles. Er zeigte den Eingang zu seinem unterirdischen Bunker. Und am 4. Mai 2004 erlangten die Mädchen die Freiheit. Nach genau 3 Jahren, 7 Monaten, 4 Tagen und 15 Stunden unterirdischer Gefangenschaft. Wo jede Minute ihnen unerträgliche, ewig scheinende Schmerzen brachte. Zum Zeitpunkt der Befreiung war Lena im achten Monat schwanger, verlor aber das Kind…

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„Heute verstehe ich den Satz gut: Solange man nicht in der Hölle war, schätzt man den Himmel nie“, teilt Katja mit. „Hätte ich gewusst, dass ich 4 Jahre in diesem Keller verbringen würde, wäre ich am ersten Tag verrückt geworden. Aber jeden Tag lebte in uns die Hoffnung auf Befreiung.“

Die Mädchen konnten in ein normales Leben zurückkehren. Katja tritt in Talkshows auf, hat dreimal geheiratet, wurde eine normale Mutter und veröffentlichte sogar ihre eigenen Memoiren: „Geständnis einer Kerkergefangenen“. Regisseur Sarik Andreasyan bereitet einen Film basierend auf dem Buch vor.

Lena, die Englischlehrerin wurde, konnte nicht heiraten und bekam keine Kinder. Anders als ihre Freundin vermeidet sie Öffentlichkeit und Interviews sorgfältig. Die ehemaligen Gefangenen sind freundlich zueinander, pflegen aber keine freundschaftliche Beziehung. Obwohl sie weiterhin in ihrer Heimatstadt Rjasan leben.

Der inzwischen 75-jährige Viktor Mochow erhielt 17 Jahre Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis, seine Komplizin 5,5 Jahre. 2021 wurde Mochow freigelassen… Er gab ein Interview mit Ksenia Sobtschak. Und wurde erneut wegen einer Schlägerei mit Folgen verhaftet. Wurde aber aufgrund der Verjährung freigelassen.

„Ich war in Katja verliebt. Und ich liebe sie noch immer“, gestand Mochow. „Im Leben habe ich immer die schönsten Mädchen gewählt. Aber nur einmal erhielt ich Liebe erwidert: Katja. Aber ich respektiere auch Lena sehr. Ich weiß, dass sie keine Kinder bekam. Ungerecht! Ich bin bereit, ihr zu helfen, Kinder zu bekommen.“

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